Brina Stein

Mord im Schatten des Turms

Prolog

Endlich erreicht Ariane den Turm. Der Aufstieg vom Eppsteiner Bahnhof aus dauert mehr als eine halbe Stunde, denn die kleine Straße führt steil bergauf. Die Frau fühlt sich erschöpft. Ihre Beine zittern und sie spürt, wie der Schweiß in kleinen Bächen ihren Rücken hinunterläuft. Staunend sieht sie die alte, hohe Mauer hinauf. Sie ragt steil empor und wirkt bedrohlich. Es riecht nach Vermodertem wie auf einem Friedhof. Ganz oben befindet sich ein kleiner Turm, auf dem eine Fahne weht. Dort kann sie auch eine Satellitenschüssel erkennen. Rund um den Turm herrscht wilder Pflanzenwuchs, alles sieht unbewohnt aus. Das verwundert Ariane. Doch er hat ihr gesagt, er wohne hier. Links neben dem Eingang in den Garten, der zum Turm führt, sieht sie einen Verschlag. Er ist mit weißer und roter Farbe bemalt. Ein silberfarbener Riegel hält ihn verschlossen. Kurz dreht sie sich um und blickt hinab ins Tal. Die beleuchtete Stadt Eppstein glitzert am frühen Abend in einem wahren Lich- termeer. Klar sieht sie die Reste der alten Burgruine gegenüber und auch der Kaisertempel ist deutlich erkennbar. Die Frau dreht sich zum Turm zurück und jetzt kann sie einen kleinen Lichtschein erkennen, der aus dem unteren Teil des Gebäudes nach außen dringt. Das kann nicht die Spiegelung der Stadt sein.

Die Landfrauen in Fahrt, hier einmal auf ganz andere Art:-)

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Dort ist seine Wohnung, er hat ihr alles genau beschrieben. Ariane klopft das Herz bis zum Hals. Hat sie die richtige Entscheidung getroffen, seine Einladung anzunehmen? Ist sie mit Anfang fünfzig nicht zu alt für ein abenteuerliches Date dieser Art mitten im Wald am Abend? Doch da fallen ihr wieder die Blicke aus seinen Augen ein. Seitdem sie im Taunus vor zwei Wochen angekommen ist, fühlt sie sich nach vielen Jahren endlich wieder als Frau wahrgenommen. Begehrt. Sie begegnete ihm gleich bei ihrer Ankunft und doch dauerte es einige Tage, bis sie über Privates sprachen. Von ihr weiß er inzwischen alles, doch in sein Leben hat er sie bisher nur sehr wenig blicken las- sen. Umso mehr überraschte sie seine spontane Einladung für heute Abend. Damit hat sie nicht gerechnet, war aber gleich Feuer und Flamme gewesen, als er ihr erzählte, dass er auf einem alten Turm gegenüber der Stadt Eppstein lebe. Von Eulenstein aus hat sie die S-Bahn genommen und keine Rückfahrtzeit nachgesehen. Im Grunde träumt sie von einer gemeinsamen Nacht mit ihm. Ariane fasst sich ein Herz und öffnet die Eingangspforte aus Holz. Sie knarrt ein wenig. Langsam geht sie den Weg entlang, der zum Turm führt. Auch hier wuchert links und rechts des Weges viel Unkraut und sie achtet sorgsam darauf, keinen Ast ins Gesicht zu bekommen oder gar mit einem ihrer Beine an Brombeer- ranken zu geraten. Sie trägt einen kurzen Rock, aber keine Strumpfhose. Sie hat Gänsehaut, sie friert. Ariane zieht ihren türkisen Schal ein wenig enger um den Hals. Sie ist viel zu luftig für einen Abend im März angezogen. An der Steintreppe angekommen, die hinauf zum Eingang führt, bleibt sie stehen. Sie sieht sich vorerst noch ein wenig um. Rechts neben der Treppe erblickt die Frau einen verwilderten Steingarten. Mehr und mehr erinnert Ariane dieser Ort an ein verwunschenes Märchenschloss, das im Tiefschlaf liegt. Und der Prinz wartet drinnen auf mich, denkt sie lächelnd und schreitet mutig die Stufen bis zur hölzernen Eingangstür hinauf.

Es sind siebzehn. Sie findet keine Klingel und beginnt mit der Faust an die Tür zu schlagen: „Ich bin es“, ruft sie zusätzlich. Ihre Stimme klingt zaghaft. Es vergehen ein paar Minuten. Vor der Tür stehen zwei alte Gartenstühle. Kein Laut dringt aus dem Turm nach außen. Die Frau schaut auf die Uhr und stellt fest, dass der Zeiger fünf Minuten vor zwanzig Uhr zeigt. Sie ist zu früh, aber doch nur fünf Minuten. Ihr fällt ein, dass sie auf dem Parkplatz vor dem Turm kein Auto gesehen hat. Ob er gar nicht da ist, fragt sie sich und denkt weiter. Vielleicht hat er ihre Verabredung vergessen? Aber er hat sie doch eingeladen? Ariane entdeckt schließlich einen alten Türklopfer aus Metall an der Tür. Er sieht aus wie ein Löwenkopf. Sie versucht damit nochmals ihr Glück und klopft. Wieder wartet sie, wieder passiert nichts. Sie tritt von der Tür zurück und geht die Stufen langsam wieder hinunter in den Garten. Wieder sieht sie von dort den Lichtschein im Inneren.

„Hallo, hallo“, ruft sie mit lauter Stimme durch die Nacht. Vielleicht hört er sie wirklich nicht? Sie überlegt Steinchen gegen die Fenster zu werfen, hat aber zu viel Angst, die alten und historischen Scheiben zu zerstören, die zum Teil sogar mit Ornamenten verziert sind. Handy- nummern haben sie bisher nicht ausgetauscht, also kann sie ihn nicht anrufen. Ariane geht nochmals die Stufen hi- nauf und klopft mit dem Türöffner ein weiteres Mal an die Eingangstür. Jetzt energischer. Erneut tut sich nichts. Frustriert steht sie da und überlegt, was sie nun machen soll. Sie kommt sich unendlich dumm vor. Vielleicht hat er sich mit seiner Einladung nur einen Spaß erlaubt? Vielleicht war sie nicht wirklich ernst gemeint? Doch seine Augen hatten gestrahlt, als er sie aussprach. Die Gedanken kreisen nur so in ihrem Kopf. Sie seufzt. Es wäre auch zu schön gewesen, nach fünfzehn Jahren Einsamkeit endlich wieder einen Mann kennenzulernen. Sie geht um den Turm herum in den Garten.

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Ihr Handy klingelt und sie zuckt vor Schreck zusammen. Ob er es ist? Sie erkennt die Nummer ihrer Tochter Sophia. Diese ist inzwischen 25 Jahre alt und Ariane weiß, dass diese, wenn sie sie jetzt wegdrückt, gleich wieder anruft. Ihr hartnäckiges Wesen hat Sophia von ihr geerbt. Also nimmt Ariane das Gespräch an und flüstert: „Ich bin noch beim Essen, ich melde mich gleich.“ Warum sie ihre Tochter anlügt, weiß sie selbst nicht. Sie hört ein kurzes „Okay“, dann legt ihre Tochter auf. Eigentlich weiß Ariane, warum sie nicht die Wahrheit sagt. Ihr Mann Hartmut verließ die Familie, als Sophia zehn Jahre alt war und man kann behaupten, dass sie ohne Vater groß geworden ist. Die wenigen männlichen Bekanntschaften, die Ariane seitdem gehabt hat, konnte sie immer vor ihrer Tochter verbergen. Wie würde es jetzt auf Sophia wirken, wenn sie erführe, dass ihre Mutter ein Rendezvous im Wald an einem einsamen Ort hätte, mit einem Mann, den sie kaum kennt? Nein, es ist besser gewesen zu lügen, befindet sie.

So ist Sophia nicht beunruhigt. Ariane selbst ist es inzwischen schon. Es ist zu dunkel, um die Zeit auf ihrer Armbanduhr zu erkennen. Das letzte Licht des Ta- ges ist gegangen. Sie kramt ihr Handy erneut aus der Handtasche. Die Digitalziffern zeigen 20 Uhr 30. Die Frau begreift, dass ihr Treffen geplatzt ist. Er ist nicht da oder macht nicht auf. Trotzdem schleicht sie weiter um den Turm im Garten herum. Sie überquert die verwitterte Terrasse, auf der Möbel stehen, deren Holz aber morsch aussieht. Moos hat sich bereits an vielen Stellen abgesetzt. Die Stühle wurden anscheinend lange nicht benutzt. Das findet sie seltsam, schiebt es jedoch auf den langen Winter. Vielleicht hat er bei seiner vielen Arbeit noch keine Gelegenheit gefunden, hier im März den Frühjahrsputz zu machen? Er wirkt auf sie immer sehr beschäftigt. Ariane geht durch einen alten Torbogen und erreicht wieder die hölzerne Eingangspforte des Gartens. Langsam und mit herunterhängenden Schultern geht sie den Weg entlang, den sie vor über einer halben Stunde mit klopfendem Herzen gekommen ist. Auf dem Parkplatz angekommen, fällt ihr Blick wieder auf den Verschlag. Es könnte auch eine Garage sein, denkt Ariane und überlegt weiter. Ob dort drinnen ein Auto parkt? Sein Auto? Sollte er doch da sein und ihr nur nicht aufmachen wollen? Ihre Neugier ist geweckt. Der Riegel lässt sich leicht nach rechts zurückschieben und als sich die Tür öffnet, knarrt sie ein wenig und gibt den Blick auf ein Fahrzeug frei. Sein Fahrzeug, der große Geländewagen. Er ist also doch da, denkt sie. Im selben Moment spürt sie eine Schlinge, die sich von hinten um ihren Hals wirft und sich immer enger zuzieht.

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